Begegnung am See

Der Wetterbericht hatte Regen angesagt und eigentlich hatte ich mich auf einen langweiligen Nachmittag  vor dem TV eingestellt.

Doch ich konnte den warmen Sonnenstrahlen, die durch das Fenster ins Zimmer drangen, nicht widerstehen. Wer weiß, wie lange dieser zauberhafte Altweibersommer noch anhielt, und überhaupt... TV konnte ich immer noch schauen.

Ich schlenderte, stillvergnügt, den schmalen Waldweg entlang zum See. In der Ferne, am Ufer des See´s,  sah ich ihn zum ersten Mal und ich lenkte, neugierig geworden, meinen Schritt dorthin, um in seine Nähe zu gelangen.

Mein Herz schlug schneller, der Puls raste und ich sah nur noch ihn.

Ein prächtiger Kerl, sportlich, schwarzes, glänzendes Haar und nicht ein Gramm zuviel auf den Rippen. Er stieg gerade aus dem See und schüttelte seine schwarze Mähne, so das die Tropfen, wie kleine Kristalle, durch die Luft stoben.

Innere Ruhe lag in seinen kraftvollen Bewegungen und der Wunsch ihn für immer an meiner Seite zu haben wurde fast übermächtig.

Ich stand ganz still, traute mich kaum zu atmen, um ihn nicht zu verschrecken. Noch stundenlang hätte ich so dastehen und ihn beobachten, dieses Bild ihn mich aufsaugen können. Aber er hatte mich bemerkt und kam langsam auf mich zu. Er sah mich an und ich war hingerissen von seinen dunkelbraunen Rehaugen. Ganz still standen wir uns nun gegenüber, kein Geräusch störte diese Harmonie des Augenblicks.

Dann plötzlich, ohne das ich es voraus ahnen konnte, drehte er sich um und lief davon. Wortlos und auch etwas traurig sah ihm nach bis er im nahen Wald verschwunden war.

"Na ja", dachte ich, als mich umwandte um meinen Weg fortzusetzen, "eigentlich ist ein Neufundländer Rüde auch zu groß für meine kleine Wohnung".