|

Heiligabend
Die Bescherung war vorüber, die Kinder lagen im seligen Schlaf und
ich bereitete mich, wie in jedem Jahr, auf die Mitternachtsmesse
vor.
Langsam ging ich die Straße über den Berg zur Kirche hinauf.
Die Kirchenfenster waren hell erleuchtet und eine große
Menschenmenge hatte sich schon vor dem Haupttor versammelt. Einige
erkannten mich und grüßten freundlich lächelnd. Ich lächelte ihnen
ebenso freundlich zu und wünschte ein "frohes Fest".
Leise quietschend öffnete sich die große, schwere Kirchentür und die
Menschen die eben noch um mich herum standen, strömten hinein.
Ich stand immer noch da und inmitten dieser Menschenmasse kam ich
mir unendlich verlassen vor.
"Ich bin ja gewillt, die Geburt deines Sohnes zu feiern", dachte
ich. "Aber nicht hier und nicht mit all den Menschen".
Ich zog den Schal dichter um mich, drehte mich um und ging die
Strasse entlang, die jetzt, mit Beginn des Gottesdienstes, verlassen
war.
In fast allen Fenstern leuchteten Lichterbögen oder Kerzen und ganz
leise drang aus manchen Häusern Weihnachtsmusik.
Meine Gedanken wanderten zu den schlafenden Kindern daheim. Max
hatte, von seinem mühsam erlernten Gedicht, die letzten 2 Strophen
durcheinander gebracht und Anne wollte unbedingt den
Schokoladenweihnachtsmann mit ins Bett nehmen.
"So kleine, süße Sorgen am Heiligen Abend"
In der Kirche spielte jetzt die Orgel, ganz von fern konnte ich noch
ihren Ton hören und ertappte mich dabei wie ich " uns ist heute der
Heiland geboren" ganz leise vor mich hinsang.
Plötzlich begann es zu schneien.....
©
Pia Widera
|